Finite Elemente
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Testberichte Resonator

HÖRERLEBNIS 01.2008:



Der Klang der Stille


Der renommierte Hersteller Finite Elemente aus dem sauerländischen Bestwig setzt mit seinen Produkten dort an, wo viele Konstrukteure von Hight-End-Geräten ihre Hausaufgaben nicht zu machen scheinen: bei der Minimierung von Gehäuseresonanzen.


von Marco Kolks

Mit ihren überragenden Racksystemen der Pagode-Linie haben sich Bern Brockhoff und Luis Fernandes bereits weltweit in audiophilen Kreisen Anerkennung verschafft. Jetzt gehen sie diesen Weg konsequent weiter. Profunde Kenntnisse über das komplexe Schwingungsverhalten von Gehäusen fallen nicht einfach vom Himmel. Das ist ein großes und oft unterschätztes Problemfeld. Deshalb kooperiert Finite Elemente bei der Entwicklung eigener Komponenten mit der Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Mechanik. Jüngstes Ergebnis dieser fruchtbaren, wissenschaftlichen Zusammenarbeit ist ein Schwingungswandler, ein in seiner äußeren Form dosenähnlicher Resonator. Er nimmt Schwingungen von Gehäuseplatten auf, setzt sie aufgrund seiner inneren Konstruktion in Wärme um und verhilft dadurch dem Klang gehörig auf die Sprünge.




Der Resonator misst 12 cm im Durchmesser, 3 cm in der Höhe und wiegt knapp 400 Gramm. Im Inneren befindet sich der eigentliche sternförmige Resonator aus Edelstahl. Dieser ist in der Mitte auf einem Edelstahlträger gelagert, der an seinem unteren Ende in einen Kontaktteller mündet. Das Aluminiumgehäuse ist durch Elastomere entkoppelt.

Messungen haben ergeben, dass Schallwellen Hifigeräte anregen und somit Resonanzen in bestimmten Frequenzbereichen entstehen, die sogenannten Eigenfrequenzen. Die damit verbundenen Effekte sind besonders zwischen 100 und 500 Hz gut hörbar. Die Gehäuse, vor allem die Deckelplatten, geraten also in Schwingungen, was laut Finite Elemente störende Rückkopplungseffekte erzeugt. Einfache Masseblöcke, so Bernd Brockhoff, würden deshalb nicht weiterhelfen, weil die Eigenfrequenzen nur verlagert und die Störeffekte nicht reduziert würden. Folglich blieben Klangminderungen weiterhin erhalten.

Der auf 400 Hz berechnete Resonatorstern nimmt im Gegensatz zu Masseblöcken Schwingungsenergie auf und wandelt sie ohne akustische und mechanische Rückkopplungseffekte in Wärmeenergie um. Die Wirkung wird durch das Energieminimum-Prinzip erreicht. Die Gehäuseplatten des Hifigerätes und der Resonator haben jeweils elastische Strukturen, aber verschiedene Massen. Steht nun der Resonator auf dem Gehäusedeckel des Hifigerätes, sind - rein physikalisch betrachtet - zwei unterschiedliche Systeme in Reihe angeordnet. Das System mit der kleineren Masse (Resonator) übernimmt daher die kinetische Energie des größeren Systems (Hifigerät) und wandelt diese in Wärme um. Allerdings ist Voraussetzung dafür, dass die Eigenfrequenz des Resonators auf die Anregungsfrequenz des Hifigeräts (also die Eigenfrequenz, bei der es hier zu störenden Resonanzen kommt) abgestimmt ist. Dann entzieht der Resonator den schwingenden Gehäuseplatten einen Großteil ihrer Energie und minimiert die klangstörenden Rückkopplungseffekte, weil er in seiner Wirkung breitbandig ausgelegt ist. Die Technik setzt Finite Elemente in etwas anderer Form auch in den hauseigenen Reference-Racks ein.


Die Handhabung des Resonators ist denkbar einfach. Auf den Gehäusedeckel - beispielsweise des CD-Spielers - legen, hören und je nach erzieltem Klanggewinn entscheiden, ob die richtige Position gefunden wurde. Finite Elemente empfiehlt übrigens, ihn nicht direkt auf die Gehäusemitte, sondern eher auf die Randbereiche zu legen. Dort seien, sagt Luis Fernandes, die Schwingungen nachgewiesenermaßen schneller und die zu erzielende Wirkung sei größer, da der Resonator über seine Bandbreite von plus/minus 25 Prozent bei etwa 400 Hz einen viel größeren Einsatzbereich aufweist. Das Große der messtechnisch erfassten Hifigeräte, und somit auch der Hifigeräte am Markt, ist so entwickelt, dass genau dieser Frequenzbereich im Randbereich der Gehäusedeckel Resonanzprobleme aufwirft. Bei wenigen Produkten wie der Vorstufe Burmester 808 MK V fällt der Resonanzeffekt aufgrund des stabilen Aufbaus mit internen hochkantigen Querverstrebungen geringer aus.

Kommentar

Wenn wir uns darauf verständigen können, dass klangmindernde Resonanzen "böse" sind und Klang ohne dieselben "gut" ist, dann hilft mir der Resonator schnell und eindeutig zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Mit ihm im Einsatz ist mein persönlichem Auflösungsvermögen, das mit dem Resonator zu erreichen ist. Mir geht es in erster Linie um den tonalen Bereich. Das ist keine Frage von mehr Bässen oder sanfteren Höhen. Ich kann beispielsweise doch bei den meisten Aufnahmen gar nicht beurteilen, wie und welche Informationen auf einem Tonträger gespeichert wurden. Doch jeder von uns nimmt sehr schnell wahr, ob die musikalische Wiedergabe gestört ist. Der Gitarrist soll eine Melodie spielen und nicht eine bloße Aneinanderreihung einzelner Noten. Ein Ensemble besteht aus verschiedenen Mitgliedern. Im Idealfall musizieren sie gemeinsam und sind auf der Bühne ein Team und keine Einzelkämpfer. Damit möchte ich nur sagen, wenn der Resonator mir dabei hilft, ein Mehr an Musik zu erreichen, erledigt er einen guten Job.

Auf meinem Clockwork/Sony-SACD-Spieler ist der Unterschied "mit" oder "ohne" Resonator so eklatant, dass ich anfangs einige Zeit leicht verwirrt vor der Anlage stand und nicht genau wusste, was ich als nächstes tun sollte.




Nun habe ich lange mit dem Resonator gehört: Die Wiedergabe ist mit ihm glaubhafter und hautah - unglaublich, aber wahr; selbst auf die Gefahr hin, dass mancher Leser diese Äußerungen übertrieben erscheinen könnten.

Es geht hier allein um gesteigerte Klangtreue audiophiler Gerätschaften. Auf der Phonostufe Model 42 vom Blue Amp oder der 843 von EAR ist die Wirkung des Resonators ebenfalls erheblich. Bei Bmitrij Schostakovichs 15. Symphonie (Acousence Records/Aco-LP 20607 in Zusammenarbeit mit Acapella-La Musika Arts) lösen sich mit Resonator die seitlichen und hinteren Begrenzungen der Lautsprecherwiedergabe weiter auf. Die Illusion, den Aufnahmeraum unmittelbar vor sich zu haben, ist realistischer. Vor allem hochtonreine Signale im hinteren Abbildungsbereich sind klarer und ermöglichen richtiges Hineinschauen in den Orchestergraben. Der klatschende Hall der verschiedenen Instrumente von einer Wand des Aufnahmesaals zur anderen zeichnet sich ebenfalls besser ab.

Den zuerst gestrichenen, dann gezupften Kontrabass bei "You look good to me" (Oscar Petersons "Weg et request") habe ich so plastisch noch nicht gehört. Die Konturenschärfe des kräftigen Tiefenbasses hat um einiges zugelegt. Der am Anfang des Stücks geschlagene Triangel kommt brillanter und mit dem richtigen Metallklang rüber.

Die neu gewonnene höhere Klarheit (Kari Bremnes; "Gate ved Gate"; fxcd 43) vermittelt zudem den Eindruck einer überdurchschnittlich guten Räumlichkeit ("Lysbroen"), was das reproduzierende Equipment immer mehr in den Hintergrund stellt und die Musik nach vorne holt. Selbst der "Klang der Stille" der auslaufenden Leerlaufrille der LP (Bill Henderson; "Live at the Times"; JP0778-12) wirkt nach ergreifender Live-Darbietung authentischer.

Überhaupt steht jedes Instrument penibel genau an seinem Platz. So manches andere Zubehörteil wird im Resonator seinen Meister in Sachen "positiver Analytik" finden. Trotz der gesteigerten Transparenz bleiben Violinen-, Bläser- oder Gesangspassagen ("Dreaming"; CEC-1001) ohne jeglichen Anflug von Aggressivität. Wer in seinem Wohnumfeld Rücksicht auf Mitmieter nehmen muss, den wird vor allem die mit dem Resonator hinzugewonnene Luftigkeit speziell bei niedrigen Lautstärken begeistern.

Fazit: Worum es geht, ist schließlich Musik und dazu verhilft der Resonator dem anspruchsvollen Hörer. Die Entscheidung für ihn lässt sich leicht treffen, wenn man ihn selbst einmal gehört hat. Das Votum steht anschließend sofort fest. Nicht zuletzt weil mit dem Resonator on Finite Elemente der musikalische Funke viel schneller überspringt.