Finite Elemente
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STEREOPLAY 12.2001:

Wunderstäbchen

Der Terminator aller bösen Schwingungen hat einen Namen: Resonator. Mit den Stahlstäbchen hält Finite Elemente unbeherrschte Resonanzen im Zaum.


Das erste Büro unterhielten die Gründer von Finite Elemente in ihrer sauerländischen Stammkneipe. Ein Alkohol-angereicherter Disput war es auch, der das Unternehmen ins Leben rief. Der Möbeldesigner Bernd Brockhoff und der Musikliebhaber Luis Fernandes steigerten sich in eine Grundsatzdiskussion über Möbel, Raum, Klang und Fetisch. Finalmente entstand eine Firma, die recht nüchtern seit einigen Jahren den Rack-Markt aufmischt. Das Duo Brockhoff/Fernandes denkt nicht in Sand und Blei - also primär materialgebunden -, sondern in Statik. Auf die Konstruktion kommt es an. Das jüngste Kind übertrifft alle vorangegangenen Strukturen: die HD-Master-Reference-Serie in "Resonator-Technologie".

Thomas Borchert, Professor für Maschinenbau an der Fachhochschule Dortmund, half einer alten Finite-Elemente-Idee auf die Sprünge. Heikle Resonanzen werden im Rack nicht bedämpft, sondern verbrannt. Im wissenschaftlichen Urtext formuliert: "Schwingungsamplituden von Wandlungen technischer Systeme, die durch Luft- oder Körperschall angeregt werden, lassen sich durch Integration oder Adaption von Kleinstbauteilen - den Resonatoren -, welche mit ihrer Eigenfrequenz auf die Erregerfrequenz oder die Systemeigenfrequenz ausgelegt sind, deutlich reduzieren."

Neue Worte, alter Grundsatz: Treffen zwei Gitarristen zusammen, spielt der eine einen Ton, so regt er auf dem anderen Instrument die entsprechende Saite auch zum Schwingen an. Im Falle der Finite-Resonatoren wird die Energie nicht in einem eigenen Ton kompensiert, sondern "unhörbar in Wärme umgesetzt". Wer sich jetzt eine Wunderkonstruktion ausmalt, müsste beim Anblick des "Resonators" ernüchtern. Man stelle sich das Ganze am besten als Stricknadeln unterschiedlicher Länge in einer Hülse vor. Geschluckt werden folgende Frequenzen: 220, 486, 512, 550, 670 und 882 Hertz. Vier davon werden je nach Bauhöhe des gesamten Racks und je nach Ebene miteinander kombiniert

Bei soviel Speerspitzen-Technologie sollte man nicht die klangoptimierte Grundform des Racks übersehen: Einlegeböden im Sandwichaufbau mit einem dämpfenden Silikonpapier zwischen den beiden MDF-Platten, ein Spannrahmen mit Seitenspikes (damit höhenvariabel), dazu feinstes, massives (aufgrund seiner Dichteverhältnisse dämpfendes) kanadisches Ahornholz - eineinhalb mal fester als deutsche Eiche.

Im Testfeld fiel das Master Reference durch elegante Balance auf. Ruhe wird nicht durch Fadheit erkauft, Tempo schlägt nicht in Aggressivität um, der Bass ist druckvoll, aber nicht ungenau. Ein deutlicher Klanggewinn. Der Tipp, wenn die Kette ungebührlich direkt und ein wenig aggressiv klingt. Zudem ein Rack für Auge und Handflächen. In Sachen Verarbeitung der überragende Monolith des Testfelds. Aber auch der teuerste Mitspieler.

Fazit:
Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich unsere Schulweisheit denken kann. Sagt Hamlet zu Horatio. Sagen überraschend viele Rackhersteller, wenn es um den Hintergrund der perfekten Aufstellung von High-End-Elektronik geht. In diesem Testfeld zeichnet sich ein Gegentrend ab: Technisch fundiert, sogar wissenschaftlich nähern sich die Hersteller der Grundfrage an. Zudem befreundet sich Design immer stärker mit audiophilen Werten. Die Reihenfolge der Testfavoriten ist klar - sie entspricht den Punktezahlen. Was jedoch nur die halbe Wahrheit zeigt. Denn ein Rack allein klingt nicht. Jedes Rack hat seine Ausrichtung: Häufig wird gedämpft, Ruhe bringen alle Vertreter ins Klangbild, der heikle Rest ist Timing. Als Über-alles-Sieger steht das Naim Fraim fest - trickreich und edel. Wer soviel Geld nicht aufbringen will: Phonosophie hält die günstige Variante in archaischem Design parat.


Good Vibrations

Das Labor beweist: Racks üben konstruktionsabhängigen Einfluss auf die Elektronik und den Klang aus.


Jedes dem Luftschall ausgesetzte Bauteil des Hörraums wird bei Musikwiedergabe mehr oder weniger zum Schwingen angeregt - mit der Hand leicht als Vibration zu spüren. Den Racks kommt die besondere Aufgabe zu, diese Vibrationen - seien es vom Gerät ausgehende, vom Luftschall empfangene oder als Körperschall vom vibrierenden Boden (schwimmender Estrich oder Holzboden) aufgenommene - zu absorbieren oder in ihrer spektralen Zusammensetzung klangförderlich zu verändern. Mit Hilfe einer Messanlage aus Schwingungserreger und Beschleunigungsaufnehmer konnte das stereoplay-Labor im analogen Ausgangssignal eines CD-Spielers eindeutige Veränderungen in der spektralen Verteilung der Jitterkomponenten feststellen. Welche Vibrationen die Racks im Vergleich zum einfachen Ikea-Regal besonders absorbieren oder eventuell sogar verstärken, ist in den Diagrammen unten dargestellt.

Die Heimat der Resonatoren: In die Verstrebungen der
tragenden Ebenen werden unterschiedlich lange Stahl-
nadeln eingelassen. Die entsprechenden Störfrequenzen
verpuffen in unauffälliger Wärme.