Das erste
Büro unterhielten die Gründer von Finite Elemente in ihrer sauerländischen
Stammkneipe. Ein Alkohol-angereicherter Disput war es auch, der das Unternehmen
ins Leben rief. Der Möbeldesigner Bernd Brockhoff und der Musikliebhaber
Luis Fernandes steigerten sich in eine Grundsatzdiskussion über Möbel,
Raum, Klang und Fetisch. Finalmente entstand eine Firma, die recht nüchtern
seit einigen Jahren den Rack-Markt aufmischt. Das Duo Brockhoff/Fernandes
denkt nicht in Sand und Blei - also primär materialgebunden -, sondern
in Statik. Auf die Konstruktion kommt es an. Das jüngste Kind übertrifft
alle vorangegangenen Strukturen: die HD-Master-Reference-Serie in "Resonator-Technologie".
Thomas Borchert, Professor für Maschinenbau an der Fachhochschule
Dortmund, half einer alten Finite-Elemente-Idee auf die Sprünge.
Heikle Resonanzen werden im Rack nicht bedämpft, sondern verbrannt.
Im wissenschaftlichen Urtext formuliert: "Schwingungsamplituden von
Wandlungen technischer Systeme, die durch Luft- oder Körperschall
angeregt werden, lassen sich durch Integration oder Adaption von Kleinstbauteilen
- den Resonatoren -, welche mit ihrer Eigenfrequenz auf die Erregerfrequenz
oder die Systemeigenfrequenz ausgelegt sind, deutlich reduzieren."
Neue Worte, alter Grundsatz: Treffen zwei Gitarristen zusammen, spielt
der eine einen Ton, so regt er auf dem anderen Instrument die entsprechende
Saite auch zum Schwingen an. Im Falle der Finite-Resonatoren wird die
Energie nicht in einem eigenen Ton kompensiert, sondern "unhörbar
in Wärme umgesetzt". Wer sich jetzt eine Wunderkonstruktion
ausmalt, müsste beim Anblick des "Resonators" ernüchtern.
Man stelle sich das Ganze am besten als Stricknadeln unterschiedlicher
Länge in einer Hülse vor. Geschluckt werden folgende Frequenzen:
220, 486, 512, 550, 670 und 882 Hertz. Vier davon werden je nach Bauhöhe
des gesamten Racks und je nach Ebene miteinander kombiniert
Bei soviel Speerspitzen-Technologie sollte man nicht die klangoptimierte
Grundform des Racks übersehen: Einlegeböden im Sandwichaufbau
mit einem dämpfenden Silikonpapier zwischen den beiden MDF-Platten,
ein Spannrahmen mit Seitenspikes (damit höhenvariabel), dazu feinstes,
massives (aufgrund seiner Dichteverhältnisse dämpfendes) kanadisches
Ahornholz - eineinhalb mal fester als deutsche Eiche.
Im Testfeld fiel das Master Reference durch elegante Balance auf. Ruhe
wird nicht durch Fadheit erkauft, Tempo schlägt nicht in Aggressivität
um, der Bass ist druckvoll, aber nicht ungenau. Ein deutlicher Klanggewinn.
Der Tipp, wenn die Kette ungebührlich direkt und ein wenig aggressiv
klingt. Zudem ein Rack für Auge und Handflächen. In Sachen Verarbeitung
der überragende Monolith des Testfelds. Aber auch der teuerste Mitspieler.
Fazit:
Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich unsere Schulweisheit
denken kann. Sagt Hamlet zu Horatio. Sagen überraschend viele Rackhersteller,
wenn es um den Hintergrund der perfekten Aufstellung von High-End-Elektronik
geht. In diesem Testfeld zeichnet sich ein Gegentrend ab: Technisch fundiert,
sogar wissenschaftlich nähern sich die Hersteller der Grundfrage
an. Zudem befreundet sich Design immer stärker mit audiophilen Werten.
Die Reihenfolge der Testfavoriten ist klar - sie entspricht den Punktezahlen.
Was jedoch nur die halbe Wahrheit zeigt. Denn ein Rack allein klingt nicht.
Jedes Rack hat seine Ausrichtung: Häufig wird gedämpft, Ruhe
bringen alle Vertreter ins Klangbild, der heikle Rest ist Timing. Als
Über-alles-Sieger steht das Naim Fraim fest - trickreich und edel.
Wer soviel Geld nicht aufbringen will: Phonosophie hält die günstige
Variante in archaischem Design parat.
Good VibrationsDas Labor beweist: Racks üben konstruktionsabhängigen Einfluss auf die Elektronik und den Klang aus.
Jedes dem Luftschall ausgesetzte Bauteil des Hörraums wird bei Musikwiedergabe
mehr oder weniger zum Schwingen angeregt - mit der Hand leicht als Vibration
zu spüren. Den Racks kommt die besondere Aufgabe zu, diese Vibrationen
- seien es vom Gerät ausgehende, vom Luftschall empfangene oder als
Körperschall vom vibrierenden Boden (schwimmender Estrich oder Holzboden)
aufgenommene - zu absorbieren oder in ihrer spektralen Zusammensetzung
klangförderlich zu verändern. Mit Hilfe einer Messanlage aus
Schwingungserreger und Beschleunigungsaufnehmer konnte das stereoplay-Labor
im analogen Ausgangssignal eines CD-Spielers eindeutige Veränderungen
in der spektralen Verteilung der Jitterkomponenten feststellen. Welche
Vibrationen die Racks im Vergleich zum einfachen Ikea-Regal besonders
absorbieren oder eventuell sogar verstärken, ist in den Diagrammen
unten dargestellt.
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Die Heimat der Resonatoren: In die Verstrebungen
der
tragenden Ebenen werden unterschiedlich lange Stahl-
nadeln eingelassen. Die entsprechenden Störfrequenzen
verpuffen in unauffälliger Wärme.

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