Finite Elemente
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Testberichte pagode
STEREO 10.2003:

Geniales Parkdeck


Von Tom Frantzen

Das Klangniveau des Finite Elemente-Racks Pagode Master Reference ist einzigartig. Sein Preisniveau allerdings auch. Grund genug für eine "abgespeckte", wenngleich kaum weniger kompromisslose Alternative aus gleichem Hause.


Dass zur vollen Ausreizung einer Top-Anlage auch ein adäquates Rack gehört, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Dabei haben sich konstruktiv zwei Ansätze herauskristallisiert: Resonanzableitung und Resonanzvernichtung, wobei man sich meist auf eine der beiden Philosophien kapriziert. Nicht so bei Finite Elemente, wo man sie vereint. Die chinesische Pagodenbauweise bildet die Basis für den in Bestwig beheimateten Rackhersteller, der – der Name verrät es – bei der Produktgestaltung neben Design erhebliches Gewicht auf Physik und Mathematik legt. "Form Follows Music", nennen Bernd Brockhoff und Luis Fernandes dieses Prinzip. "Konsequente Klangarchitektur" würden wir es nennen. Das Finite-Flaggschiff Pagode Master Reference zählt zu den allerbesten "Parkhäusern", in die man vertrauensvoll seine Geräte hineinstellen kann. Es entstand in Kooperation mit einem führenden Mechanik- und Resonanz-Wissenschaftler und nach mehreren Jahren Tüftelei und Hörversuchen.

Doch nun soll mit dem Pagode Signature auch für deutlich weniger Geld zumindest eine Annäherung an dieses nach wie vor bahnbrechende Ergebnis erzielbar sein. Möglich macht dies bei optisch verwandter, das Master-Design formal aufgreifender Bauweise der Verzicht auf die aufwändig, gewissermaßen wie ein Musikinstrument abzustimmenden Resonatoren in respektive unter den einzelnen Ebenen. Stattdessen werden Resonanzen breitbandig in speziellen Sandwichböden abgebaut und vernichtet, sprich die Bewegungs- wird in Wärmeenergie umgewandelt und die deutlich abgeschwächten Überbleibsel über die raffinierte seitliche Spike-Ankopplung (Vierpunkt-Schraubkopplung) abgeleitet.

Das mag theoretisch nicht ganz so effizient sein wie der ausgeklügelte Resonatorenansatz, erwies sich in der Praxis aber als hervorragende Alternative. Billig ist auch das Signature-Rack keineswegs zu nennen, die Preisliste startet für ein Ahorn-Massivrack natur oder schwarz mit Alu-Seitenteilen und zwei spikegelagerten Sandwich-Ebenen und 60 Zentimetern Höhe bei immerhin 950 Euro – und sie reicht – unter Vernachlässigung zahlreicher Optionen – für 140 Zentimeter Höhe mit sieben Ebenen bis 2550 Euro. Aber den betriebenen Aufwand sieht (und hört) man ja schließlich auch. Eine Vergleichbarkeit mit Musikmöbeln von der (Ikea-)Stange verbietet sich da beinahe schon von selbst. Immerhin konnte STEREO schon mehrfach nachweisen, dass bereits kleinere Racks weitaus höheren Musikgenuss ermöglichen als jedes ungeachtet des musikalischen Einsatzzwecks in Massen gefertigte Standardmöbel. Das Pagode Signature schlägt nun die Brücke zwischen den guten mittelpreisigen und den Spitzen-Racks. Eine weitere Klangsteigerung soll durch die optionalen "Cerabase"-Unterstellfüße möglich sein, wobei der Vierersatz mit nochmal 500 Euro ins Kontor schlägt.
Im direkten Vergleich mittels eines nur aus Vollverstärker und CD-Player bestehenden Systems fiel das kleinere Pagode zwar gegenüber dem Master Reference hörbar ab, da es nicht ganz dieselbe Loslösung, Kontur und Durchhörbarkeit erreichte wie das Vorbild, doch gelang insgesamt eine enorm stimmige, auch tonal stark verwandte Vorstellung, die das kleinere Finite-Rack zum Geheimtipp avancieren lässt. Einige günstigere Racks aus einem früheren Test hatten nicht den Hauch einer Chance.
Unter den (gerade noch) bezahlbaren Racks zählt das Pagode Signature damit zweifellos zu den Top-Angeboten. Wer allerdings auch noch das allerletzte Quäntchen mehr will und bereit ist, sich das Besondere und Bestmögliche einiges kosten zu lassen, der wird am Master Reference – und der rund zweieinhalbfachen Geldausgabe – nach wie vor kaum vorbeikommen.

Ein fantastisches, geradezu preiswertes Gesellenstück ergänzt somit im Finite-Programm das "Reference"-Meisterwerk, ohne die vorgesehene Hierarchie auf den Kopf zu stellen. Beide setzt die Redaktion gerne als Arbeitsgeräte ein. Ein Top-Ergebnis!


Resonanz:


Eigenschwingung eines Materials oder aber schwingfähigen Gebildes, die mit erheblich weniger Energie anzuregen ist als andere Frequenzen


Links: Das mehr als doppelt
so teure Pagode Master Reference
stand für das Pagode Signature
(großes Foto) Pate





Die durchdachte Skelettkonstruktion
mit den seitlichen Spikes ist
gut zu erkennen





Die einzelnen Ebenen bestehen
aus resonanzoptimiert aufgebauten
Platten aus Ahornholz





Der schöpferische und handwerkliche
Aufwand lässt sich zumindest erahnen




ab ca. EUR 950
Ein großartiges Rack, das den darin geparkten Komponenten eine superbe Unterlage bereitstellt. Sehr edel und durchdacht konzipiert und dabei sowohl klanglich wie preislich den meisten Angeboten des Marktes entwachsen, ist das Pagode Signature ideal für besonders anspruchsvolle Hörer, die durchaus zu (lohnenden) Investitionen bereit sind, denen aber noch das bessere Pagode Master Reference dann doch zu teuer ist.