Gemeinhin
habe ich wenig Verständnis für Besucher, die mein Wohnzimmer
mithilfe eines 20er-Bohrers ventilieren. Im Fall von Luis Fernandes bin
ich mal nicht so. Er meint es schließlich nur gut mit mir und meinem
LP12. Und dass die Wand zum Schlafzimmer nur siebeneinhalb Zentimeter
dick ist, konnte nun wirklich niemand ahnen.
Aber der Reihe nach. Es geht um das Ideal der Plattenspieleraufstellung.
An die Wand, weg vom bösen Trittschall, eine lange Nase gedreht allen
Schwingböden dieser Welt. Über ein behelfsmäßiges,
aber stabiles Selbstbautischchen, den immerhin austarierbaren oberen Boden
eines Target Racks bis zum pyramidalen LP12 Altar von Michael Linke (image
hifi 4/1998) hat mich der Leidensweg geführt, zuletzt gekrönt
von dem beruhigenden Gefühl, das Möglichste getan zu haben.
Es ist schließlich nichts Neues: Ein High-End-Gerät kann nur
so gut spielen, wie es der Untergrund zulässt. Für den mechanischen
Mikrokosmos der Schallplattenwiedergabe gilt dieser Satz ganz besonders.
Erst recht für die kolbenförmig swingende Subchassislegende
aus Glasgow. Wobei es sich bei Finite Elementes Wandregal Pagode Wall
keineswegs um eine auf schottische Bedürfnisse zugeschnittene Plattform
handelt. Mein LP12 soll also als Pars pro Toto für die Kompatibilität
mit mittelschweren Laufwerken dienen. Wie es Plattendrehern der Liga Platine
Verdier an der Wand ergeht, kann ich nicht sagen - an mangelnder Belastbarkeit
des Pagode-Regals sollte es jedenfalls nicht scheitern.
Ehrlich gesagt hielt ich das Wandregal von Finite Elemente anfangs für
eine highendige Fehlkonstruktion. Eine maximale Tragfähigkeit von
60 Kilogramm bei einem Ausleger von gut 60 Zentimetern und ohne größere
Stützen - ich sah sie vor mir, die am Boden zerschellten analogen
Träume. Da wusste ich allerdings noch nicht, was professionelle Befestigungstechnik
zu leisten vermag. Zwei (nur zwei!) mit Injektions-Mörtel einzementierte
M10-Gewindebuchsen halten die schwergewichtige Herrlichkeit von Pagode
Wall und Analoglaufwerk. "Eher bricht der Ziegel aus der Wand, als
dass die Befestigung nicht hält", meint dazu Luis Fernandes.
Malen Sie bloß nicht den Teufel an die Altbauwand!
Der Finite-Elemente-Chef - bzw. eine Hälfte der Chefetage: Fernandes'
Partner Bernd Brockhoff ist am Firmensitz im Hochsauerland geblieben -
ist zur Montage seiner jüngsten Entwicklung nach Berlin gereist.
Ein Service, für den ich dankbar bin. Nicht, dass ich irgendwelche
Berührungsängste in Bezug auf Bohrer hätte. Aber die Befestigung
eines Pagode Wall gehört in die Hände eines Fachmanns oder zumindest
eines befreundeten Hobby-Heimwerkers mit entsprechend potenter Bohrmaschine.
Spätestens beim Versuch, das massiv gearbeitete Regal allein an die
Wandhalterung anzusetzen, freut man sich ohnehin über eine helfende
Hand.
Die Pagode-Baureihe ist sicher der größte Erfolg von Finite
Elemente. Die optisch eleganten, zwischen T-Profile eingespannten Rahmen/Einlegebodenkonstruktionen
kassieren für ihre klangliche Wirkung seit Jahren höchstes Lob.
Auch zweifelhaftes: Fernandes ist gerade auf dem Weg zu einem Gerichtstermin,
es geht um Produktkopien "Made in Fernost". Schlimmer als der
wirtschaftliche Schaden ist die mit solchen Fälschungen einhergehende
Rufschädigung. Die Finite Elemente zuliefernden feinmechanischen
Betriebe und Schreinereien sitzen allesamt in Deutschland, von einer eidgenössischen
Schraubenmanufaktur mal abgesehen. Da schmerzt die durch die Kopien geweckte
Nähe zur asiatischen Billigfertigung natürlich sehr. Zum Test
bestellt sind beide Ausführungen des Pagode Wall: das ultimative
Master Reference und das an einigen Stellen etwas weniger aufwendig bestückte
Signature. Die für beide Typen identische Wandhalterung erlaubt den
problemlosen Wechsel -zumindest theoretisch.
Die Regale entsprechen technisch vollkommen den in den klassischen Racks
(image hifi 2/2002, 4/2003) eingesetzten Tragflächen. Grundlage ist
ein Rahmen aus massivem kanadischen Ahorn-„Kanadischer Ahorn ist
am wenigsten anfällig gegen Feuchtigkeitseinflüsse und verzieht
sich nicht", heißt es auf meine besorgte Anfrage. In ebenfalls
massiven Ahornstreben im Rahmen sitzen die Auflagepunkte für die
Regalbretter. Diese sind für beide Versionen in Sandwichbauweise
ausgeführt, unterscheiden sich aber in Zahl und Material der Schichten.
Auch die Lagerung ist nicht gleich: Finden die fünf bedämpften
Spikes des Master-Reference-Bodens in Metallbuchsen Aufnahme, bohren sich
beim Signature vier speziell geformte, einzeln justierbare Spikes von
unten exakt definiert in das Regalbrett.
Die Wandhalterung besteht im Wesentlichen aus zwei massiven Metallplatten,
die als bombensichere Gegenlager für die eigentliche Dreipunktlagerung
dienen. Eine Platte wird mithilfe der anfangs beschriebenen Technik an
die Wand geschraubt. Mittig im oberen Teil ist ein Gewindebolzen nach
außen durchgeführt. Das ist der einzige Haltepunkt zwischen
Regal und Wand. Links und rechts weiter unten an der Wandplatte finden
sich zwei eingefräste Mulden. Hier werden vor dem Festziehen zwei
Kugeln eingelegt, aus Stahl beim Signature, aus Keramik beim Master Reference.
Sie bilden das Widerlager, auf ihnen ruht der gesamte Hebeldruck des Pagode
Wall. Die zweite, nur unwesentlich dünnere Metallplatte ist mit dem
Holzrahmen des Regals verschraubt. Die ganze Einheit wird auf den Bolzen
aufgeschoben und mit einer Hülsenmutter befestigt. An dieser Stelle
lässt sich die Neigung des Regals justieren, die zwischen den Metallplatten
eingelegten Kugeln bieten die hierfür nötige Bewegungsfreiheit.
Ein weiterer Unterschied zwischen Signature und Master Reference liegt
in der Lagerung der Hülsenmutter, die das Regal trägt, sich
aber auch bei maximaler Belastung noch drehen lassen muss. Beim Signature
sorgt eine dicke Teflon-Unterlegscheibe für den nötigen Schlupf,
in der teureren Variante kommt ein Kugellager zum Einsatz. Das dient nebenbei
auch dem Ziel, die Kontaktfläche zwischen Regal und Wand minimal
zu halten - 5,76 Quadratzentimeter sind es beim Master Reference, nur
eine Hand voll Quadratmillimeter mehr beim Signature. Schließlich
finden sich im Master Reference, wie in dieser Baureihe nicht anders zu
erwarten, vier Resonatoren. Abgestimmt auf die stärksten Eigenfrequenzen
des Regals, klinken sie sich mitresonierend ebendort ein und halten das
Schwingspektrum des Regals sauber.
Herrlich. Endlich kann ich auch zu Musik von Vinyl ungehemmt meinem Bewegungsdrang
freien Lauf lassen. Altbauwohnungen sind ja sooo toll, welche audiophile
Katastrophe Dielen und Altbauparkett aber wirklich darstellen, merkt man
erst, wenn der Plattenspieler weg vom Boden ist. Schwang das Subchassis
jemals kolbenförmiger? Ich bilde mir ein, beim Aufsetzen auf die
Standfläche des Finite Elemente aus dem Innersten meines LP12 gar
ein kurzes, wohliges Aufstöhnen vernommen zu haben.
Und so klingt er dann auch. Ruhig. Flüssig. Wie ein Masselaufwerk.
Es ist faszinierend zu beobachten, wie die Standfläche die Leistung
einer Komponente dominiert. Macht der Raum 50 Prozent vom klanglichen
Gesamtergebnis aus? Dann gebühren der Aufstellung weitere 10 Prozent.
Ich spiele Platte um Platte. Luis Fernandes weist darauf hin, dass sich
die ganze Konstruktion noch setzen muss, nach einer Woche will nachjustiert
werden. Also weiter nichts als Musik hören...
Das Finite Elemente Master Reference - Fernandes hat gleich die Topversion
montiert - verbreitet, mit dem Linn bestückt, pures analoges Wohlgefühl.
Sagte ich vorhin Masselaufwerk? Damit meinte ich eine Souveränität
im Vortrag, die, so behaupte ich als mehr im Subchassis-Lager Bewanderter,
der Schwergewichtsfraktion eher in die Wiege gelegt ist. Seit der LP12
in luftiger Höhe (tut das dem Rücken gut!) an der Wand thront,
hat seine klangliche Darbietung eine "Don't worry, be happy"-Qualität,
die ich so vorher nicht kannte.
Moment. Rücken wir etwas gerade. Auch auf der nur für ihn konstruierten
Linke Akustik Pyramide klingt der Schotte exzellent. Er swingt, ist schnell,
dynamisch mitreißend, hochauflösend und melodisch voll überzeugend.
Er macht Musik auf die Linn-Art, die seit über einem Vierteljahrhundert
Maßstäbe setzt.
Auf dem sauerländischen Wandregal klingt er anders. Das Master Reference
ist sicher nicht weniger resonanzoptimiert als die Pyramide, doch in eine
andere Richtung. Es räumt Störungen weg, poliert quasi den Hintergrund
blitzblank, vor dem die Musik erblüht. In High-End-Vokabular übersetzt
bedeutet das: Der Musikfluss ist überragend, die tonale Homogenität
ebenso, die Raumdarstellung wählt unter den sich bietenden Perspektiven
eher die Übersicht als die erste Reihe. Die Frequenzenden scheinen
gleichzeitig ausgedehnt und perfekt in den Gesamtklang eingebunden. Klavieraufnahmen:
ein Gedicht! Vormals kritische Platten hört man mit Genuss und fragt
sich, warum man sie nur so lange verschmäht hat.
Angesichts des Hinweises auf das Sich-Setzen-Müssen des Regals habe
ich beschlossen, bei der Master-Reference-Version zu bleiben. Die richtige
Entscheidung, wie die klangliche Entwicklung im Verlauf mehrerer Wochen
zeigt. Und da das grundlegende Prinzip, nach dem das Signature HiFi-Gerätschaften
vom Boden wegholt, mit dem des Master Reference identisch ist, erlaube
ich mir die Spekulation, dass auch das "kleinere" Modell ein
zufriedenes Lächeln auf die Lippen des frischgebackenen Eigners zaubern
wird.
Ließen sich Finite Elementes Wandkonstruktionen doch einfacher ausprobieren!
Viele potenzielle Nutzer dürfte der Preis für die deutsche Wertarbeit
in Holz und Metall abschrecken. Dabei haben die ausgefeilten Regale ohne
Wenn und Aber Komponentenstatus. Etwas Besseres kann man seinem Plattenspieler
kaum gönnen - höchstens etwas anderes. |

Die Sache ist komplexer als sie aussieht.
Prinzipiell
setzt man bei Finite Elemente auf harte Kontakte
und bedämpft dann das Gesamtsystem selektiv und
exakt definiert.

Fieses Zeug: Der schnell härtende Zweikomponenten-
mörtel bietet ultimativen Halt

Dicker Bolzen: Am Gewinde dieses Präsizionswerk-
stücks hält das gesamte Regal

Madenschrauben gleichen Wandunebenheiten
aus.
Liegend: die Wandschrauben
image x-traktWas gefällt?
Der Zugewinn an klanglicher Souveränität.
Die exquisite Anfass- und Anschauqualität.
Was fehlt:
Vielleicht eine weniger "herausragende"
Kompaktversion? Aber Sondergrößen sind
ja möglich ...
Was überrascht:
Noch immer: Dass das Ganze wirklich mit
nur zwei Wandankern funktioniert!
Was tun:
Auffällig dünn im Wohnungsgrundriss
eingezeichneten Wänden misstrauen!
Komponenten der Testanlage
| Plattenspieler: |
Linn LP12, "Netz"Teil
|
| Tonarm: |
Naim Aro |
| Tonabnehmer: |
Dynavector 17D2 Mk
II |
| Phonoentzerrer: |
Lehmann Black Cube
SE |
| Vorverstärker: |
Burmester 035 |
| Endverstärker: |
Burmester 036 |
| Lautsprecher: |
Wilson Benesch Curve
|
| Kabel: |
HMS, Purist Audio,
OCOS,
Sun Audio, Burmester |
| Zubehör: |
HiFi-Produkte "Das
Regal",
Stillpoints, Satin
Wood Ceramique Gerä-
tefüße, Linke Akustik
Pyramide |
image infos
Wandregal Finite Elemente Pagode
Wall Signature/Master Reference |
| Ausführungen: |
gegen Aufpreis Aluteile
hochglanzpoliert, Holz in verschie-
denen Beiztönen oder RAL-Farben;
Sonderabmessungen möglich |
| Besonderheiten: |
Öffnungen zur
Kabeldurchführung in
der Standfläche |
| Tragfähigkeit: |
40 kg (Signature),
60 kg (Master Reference) |
| Maße (B/H/T): |
64/5/66 cm |
| Standfläche: |
51 x 46 cm |
| Garantiezeit: |
60 Monate |
| Preis: |
Signature ab 880 Euro,
Master Reference ab 1650 Euro |
|