Finite Elemente
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Testberichte pagode
IMAGEHIFI 09.2005:

Finite Elemente Pagode Wall Signature/Master Reference


Preis: ab 880/1650 Euro
von Michael Vrzal, Fotos: Rolf Winter


Das ultimative HiFi-Regal, oder: Ab an die Wand!


Gemeinhin habe ich wenig Verständnis für Besucher, die mein Wohnzimmer mithilfe eines 20er-Bohrers ventilieren. Im Fall von Luis Fernandes bin ich mal nicht so. Er meint es schließlich nur gut mit mir und meinem LP12. Und dass die Wand zum Schlafzimmer nur siebeneinhalb Zentimeter dick ist, konnte nun wirklich niemand ahnen.

Aber der Reihe nach. Es geht um das Ideal der Plattenspieleraufstellung. An die Wand, weg vom bösen Trittschall, eine lange Nase gedreht allen Schwingböden dieser Welt. Über ein behelfsmäßiges, aber stabiles Selbstbautischchen, den immerhin austarierbaren oberen Boden eines Target Racks bis zum pyramidalen LP12 Altar von Michael Linke (image hifi 4/1998) hat mich der Leidensweg geführt, zuletzt gekrönt von dem beruhigenden Gefühl, das Möglichste getan zu haben. Es ist schließlich nichts Neues: Ein High-End-Gerät kann nur so gut spielen, wie es der Untergrund zulässt. Für den mechanischen Mikrokosmos der Schallplattenwiedergabe gilt dieser Satz ganz besonders. Erst recht für die kolbenförmig swingende Subchassislegende aus Glasgow. Wobei es sich bei Finite Elementes Wandregal Pagode Wall keineswegs um eine auf schottische Bedürfnisse zugeschnittene Plattform handelt. Mein LP12 soll also als Pars pro Toto für die Kompatibilität mit mittelschweren Laufwerken dienen. Wie es Plattendrehern der Liga Platine Verdier an der Wand ergeht, kann ich nicht sagen - an mangelnder Belastbarkeit des Pagode-Regals sollte es jedenfalls nicht scheitern.

Ehrlich gesagt hielt ich das Wandregal von Finite Elemente anfangs für eine highendige Fehlkonstruktion. Eine maximale Tragfähigkeit von 60 Kilogramm bei einem Ausleger von gut 60 Zentimetern und ohne größere Stützen - ich sah sie vor mir, die am Boden zerschellten analogen Träume. Da wusste ich allerdings noch nicht, was professionelle Befestigungstechnik zu leisten vermag. Zwei (nur zwei!) mit Injektions-Mörtel einzementierte M10-Gewindebuchsen halten die schwergewichtige Herrlichkeit von Pagode Wall und Analoglaufwerk. "Eher bricht der Ziegel aus der Wand, als dass die Befestigung nicht hält", meint dazu Luis Fernandes. Malen Sie bloß nicht den Teufel an die Altbauwand!

Der Finite-Elemente-Chef - bzw. eine Hälfte der Chefetage: Fernandes' Partner Bernd Brockhoff ist am Firmensitz im Hochsauerland geblieben - ist zur Montage seiner jüngsten Entwicklung nach Berlin gereist. Ein Service, für den ich dankbar bin. Nicht, dass ich irgendwelche Berührungsängste in Bezug auf Bohrer hätte. Aber die Befestigung eines Pagode Wall gehört in die Hände eines Fachmanns oder zumindest eines befreundeten Hobby-Heimwerkers mit entsprechend potenter Bohrmaschine. Spätestens beim Versuch, das massiv gearbeitete Regal allein an die Wandhalterung anzusetzen, freut man sich ohnehin über eine helfende Hand.

Die Pagode-Baureihe ist sicher der größte Erfolg von Finite Elemente. Die optisch eleganten, zwischen T-Profile eingespannten Rahmen/Einlegebodenkonstruktionen kassieren für ihre klangliche Wirkung seit Jahren höchstes Lob. Auch zweifelhaftes: Fernandes ist gerade auf dem Weg zu einem Gerichtstermin, es geht um Produktkopien "Made in Fernost". Schlimmer als der wirtschaftliche Schaden ist die mit solchen Fälschungen einhergehende Rufschädigung. Die Finite Elemente zuliefernden feinmechanischen Betriebe und Schreinereien sitzen allesamt in Deutschland, von einer eidgenössischen Schraubenmanufaktur mal abgesehen. Da schmerzt die durch die Kopien geweckte Nähe zur asiatischen Billigfertigung natürlich sehr. Zum Test bestellt sind beide Ausführungen des Pagode Wall: das ultimative Master Reference und das an einigen Stellen etwas weniger aufwendig bestückte Signature. Die für beide Typen identische Wandhalterung erlaubt den problemlosen Wechsel -zumindest theoretisch.

Die Regale entsprechen technisch vollkommen den in den klassischen Racks (image hifi 2/2002, 4/2003) eingesetzten Tragflächen. Grundlage ist ein Rahmen aus massivem kanadischen Ahorn-„Kanadischer Ahorn ist am wenigsten anfällig gegen Feuchtigkeitseinflüsse und verzieht sich nicht", heißt es auf meine besorgte Anfrage. In ebenfalls massiven Ahornstreben im Rahmen sitzen die Auflagepunkte für die Regalbretter. Diese sind für beide Versionen in Sandwichbauweise ausgeführt, unterscheiden sich aber in Zahl und Material der Schichten. Auch die Lagerung ist nicht gleich: Finden die fünf bedämpften Spikes des Master-Reference-Bodens in Metallbuchsen Aufnahme, bohren sich beim Signature vier speziell geformte, einzeln justierbare Spikes von unten exakt definiert in das Regalbrett.

Die Wandhalterung besteht im Wesentlichen aus zwei massiven Metallplatten, die als bombensichere Gegenlager für die eigentliche Dreipunktlagerung dienen. Eine Platte wird mithilfe der anfangs beschriebenen Technik an die Wand geschraubt. Mittig im oberen Teil ist ein Gewindebolzen nach außen durchgeführt. Das ist der einzige Haltepunkt zwischen Regal und Wand. Links und rechts weiter unten an der Wandplatte finden sich zwei eingefräste Mulden. Hier werden vor dem Festziehen zwei Kugeln eingelegt, aus Stahl beim Signature, aus Keramik beim Master Reference. Sie bilden das Widerlager, auf ihnen ruht der gesamte Hebeldruck des Pagode Wall. Die zweite, nur unwesentlich dünnere Metallplatte ist mit dem Holzrahmen des Regals verschraubt. Die ganze Einheit wird auf den Bolzen aufgeschoben und mit einer Hülsenmutter befestigt. An dieser Stelle lässt sich die Neigung des Regals justieren, die zwischen den Metallplatten eingelegten Kugeln bieten die hierfür nötige Bewegungsfreiheit. Ein weiterer Unterschied zwischen Signature und Master Reference liegt in der Lagerung der Hülsenmutter, die das Regal trägt, sich aber auch bei maximaler Belastung noch drehen lassen muss. Beim Signature sorgt eine dicke Teflon-Unterlegscheibe für den nötigen Schlupf, in der teureren Variante kommt ein Kugellager zum Einsatz. Das dient nebenbei auch dem Ziel, die Kontaktfläche zwischen Regal und Wand minimal zu halten - 5,76 Quadratzentimeter sind es beim Master Reference, nur eine Hand voll Quadratmillimeter mehr beim Signature. Schließlich finden sich im Master Reference, wie in dieser Baureihe nicht anders zu erwarten, vier Resonatoren. Abgestimmt auf die stärksten Eigenfrequenzen des Regals, klinken sie sich mitresonierend ebendort ein und halten das Schwingspektrum des Regals sauber.

Herrlich. Endlich kann ich auch zu Musik von Vinyl ungehemmt meinem Bewegungsdrang freien Lauf lassen. Altbauwohnungen sind ja sooo toll, welche audiophile Katastrophe Dielen und Altbauparkett aber wirklich darstellen, merkt man erst, wenn der Plattenspieler weg vom Boden ist. Schwang das Subchassis jemals kolbenförmiger? Ich bilde mir ein, beim Aufsetzen auf die Standfläche des Finite Elemente aus dem Innersten meines LP12 gar ein kurzes, wohliges Aufstöhnen vernommen zu haben.

Und so klingt er dann auch. Ruhig. Flüssig. Wie ein Masselaufwerk.
Es ist faszinierend zu beobachten, wie die Standfläche die Leistung einer Komponente dominiert. Macht der Raum 50 Prozent vom klanglichen Gesamtergebnis aus? Dann gebühren der Aufstellung weitere 10 Prozent. Ich spiele Platte um Platte. Luis Fernandes weist darauf hin, dass sich die ganze Konstruktion noch setzen muss, nach einer Woche will nachjustiert werden. Also weiter nichts als Musik hören...

Das Finite Elemente Master Reference - Fernandes hat gleich die Topversion montiert - verbreitet, mit dem Linn bestückt, pures analoges Wohlgefühl. Sagte ich vorhin Masselaufwerk? Damit meinte ich eine Souveränität im Vortrag, die, so behaupte ich als mehr im Subchassis-Lager Bewanderter, der Schwergewichtsfraktion eher in die Wiege gelegt ist. Seit der LP12 in luftiger Höhe (tut das dem Rücken gut!) an der Wand thront, hat seine klangliche Darbietung eine "Don't worry, be happy"-Qualität, die ich so vorher nicht kannte.

Moment. Rücken wir etwas gerade. Auch auf der nur für ihn konstruierten Linke Akustik Pyramide klingt der Schotte exzellent. Er swingt, ist schnell, dynamisch mitreißend, hochauflösend und melodisch voll überzeugend. Er macht Musik auf die Linn-Art, die seit über einem Vierteljahrhundert Maßstäbe setzt.

Auf dem sauerländischen Wandregal klingt er anders. Das Master Reference ist sicher nicht weniger resonanzoptimiert als die Pyramide, doch in eine andere Richtung. Es räumt Störungen weg, poliert quasi den Hintergrund blitzblank, vor dem die Musik erblüht. In High-End-Vokabular übersetzt bedeutet das: Der Musikfluss ist überragend, die tonale Homogenität ebenso, die Raumdarstellung wählt unter den sich bietenden Perspektiven eher die Übersicht als die erste Reihe. Die Frequenzenden scheinen gleichzeitig ausgedehnt und perfekt in den Gesamtklang eingebunden. Klavieraufnahmen: ein Gedicht! Vormals kritische Platten hört man mit Genuss und fragt sich, warum man sie nur so lange verschmäht hat.

Angesichts des Hinweises auf das Sich-Setzen-Müssen des Regals habe ich beschlossen, bei der Master-Reference-Version zu bleiben. Die richtige Entscheidung, wie die klangliche Entwicklung im Verlauf mehrerer Wochen zeigt. Und da das grundlegende Prinzip, nach dem das Signature HiFi-Gerätschaften vom Boden wegholt, mit dem des Master Reference identisch ist, erlaube ich mir die Spekulation, dass auch das "kleinere" Modell ein zufriedenes Lächeln auf die Lippen des frischgebackenen Eigners zaubern wird.

Ließen sich Finite Elementes Wandkonstruktionen doch einfacher ausprobieren! Viele potenzielle Nutzer dürfte der Preis für die deutsche Wertarbeit in Holz und Metall abschrecken. Dabei haben die ausgefeilten Regale ohne Wenn und Aber Komponentenstatus. Etwas Besseres kann man seinem Plattenspieler kaum gönnen - höchstens etwas anderes.

Die Sache ist komplexer als sie aussieht. Prinzipiell
setzt man bei Finite Elemente auf harte Kontakte
und bedämpft dann das Gesamtsystem selektiv und
exakt definiert.



Fieses Zeug: Der schnell härtende Zweikomponenten-
mörtel bietet ultimativen Halt



Dicker Bolzen: Am Gewinde dieses Präsizionswerk-
stücks hält das gesamte Regal



Madenschrauben gleichen Wandunebenheiten aus.
Liegend: die Wandschrauben



image x-trakt

Was gefällt?

Der Zugewinn an klanglicher Souveränität.
Die exquisite Anfass- und Anschauqualität.

Was fehlt:

Vielleicht eine weniger "herausragende"
Kompaktversion? Aber Sondergrößen sind
ja möglich ...

Was überrascht:

Noch immer: Dass das Ganze wirklich mit
nur zwei Wandankern funktioniert!

Was tun:

Auffällig dünn im Wohnungsgrundriss
eingezeichneten Wänden misstrauen!



Komponenten der Testanlage

Plattenspieler: Linn LP12, "Netz"Teil
Tonarm: Naim Aro
Tonabnehmer: Dynavector 17D2 Mk II
Phonoentzerrer: Lehmann Black Cube SE
Vorverstärker: Burmester 035
Endverstärker: Burmester 036
Lautsprecher: Wilson Benesch Curve
Kabel: HMS, Purist Audio, OCOS,
Sun Audio, Burmester
Zubehör: HiFi-Produkte "Das Regal",
Stillpoints, Satin
Wood Ceramique Gerä-
tefüße, Linke Akustik
Pyramide


image infos

Wandregal Finite Elemente Pagode
Wall Signature/Master Reference
Ausführungen: gegen Aufpreis Aluteile
hochglanzpoliert, Holz in verschie-
denen Beiztönen oder RAL-Farben;
Sonderabmessungen möglich
Besonderheiten: Öffnungen zur
Kabeldurchführung in
der Standfläche
Tragfähigkeit: 40 kg (Signature),
60 kg (Master Reference)
Maße (B/H/T): 64/5/66 cm
Standfläche: 51 x 46 cm
Garantiezeit: 60 Monate
Preis: Signature ab 880 Euro,
Master Reference ab 1650 Euro