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HIFIRECORDS 10.2005:
Aufgehängt
von Stefan Gawlick
Finite Elemente präsentiert eine neue Wandhalterung für Laufwerke.
Die Diskussion
ist nicht neu und wird stets höchst kontrovers geführt: Welches
ist die ideale Aufstellung für digitale oder analoge Laufwerke? Soll
das gute Stück denn nun auf einem leichten oder schweren Untergrund
stehen? Darüber gibt es unterschiedliche Ansichten, lediglich bei
der Stabilität sind sich die Lager einig: Auf einer wackeligen Basis
geht gar nichts.
Dass eine Anbringung an der Wand Vorteile mit sich bringt, ist klar; die
fehlende Ankopplung an den mitunter stark schwingenden Boden soll die
bestehenden Nachteile leicht aufwiegen. Finite Elemente hat sich dieses
Themas mit der gewohnten Gründlichkeit angenommen. Man wollte kein
weiteres einfaches Brett auf den Markt bringen, sondern eine Lösung,
die Schwingungen vom Gerät abhält und auch die darin entstehenden
Resonanzen eliminiert. Dazu wurde die Resonator-Technik aus der »Pagode
Master Reference«-Serie übernommen.
Der Aufbau der »Pagode Master Reference Wall« (1.650 Euro,
Finite Elemente, Telefon 02904/4192) ist viel aufwändiger als bei
üblichen Systemen, zudem entstand eine der wenigen Wandhalterungen,
die auch kapitale Masse-Laufwerke tragen können: Die zulässige
Belastung wird mit 60 Kilogramm angegeben. Zum Lieferumfang gehört
das komplette Montagematerial und eine detaillierte Aufbauanleitung -
die ist auch vonnöten. Nicht jeder kennt sich mit der Anbringung
von Mauerankern mittels Injektionsmörtel und Gewebedübeln aus.
Dank Anleitung gestaltet sich die Montage aber auch für nur mäßig
begabte Handwerker als nicht zu schwierig: Bei mir hing das Regal nach
eineinhalb Stunden (Aushärtezeit des Mörtels eingeschlossen)
an der Wand.
Den direkten Kontakt mit dem Mauerwerk hat nur eine dicke Aluminiumplatte,
die die Basis für die Aufhängung darstellt. An ihr wird der
Rahmen befestigt, indem er am oberen Rand an einer Gewindestange hängt
und einige Zentimeter tiefer auf zwei Keramikkugeln aufliegt. So lässt
sich die Neigung leicht justieren, zudem soll diese Konstruktion die Resonanzen
optimal ableiten. In dem aus massivem Ahornholz gefertigten Rahmen stecken
die erwähnten Resonatoren. Direkt neben ihnen sind kleine, mit Metallhülsen
ausgekleidete Löcher in das Holz, gesenkt die die bedämpften
Spikes der Gerätebasis aufnehmen. So können alle Resonanzen
der Laufwerke auf kürzestem Wege abgeleitet und - hoffentlich - eliminiert
werden. Die handwerkliche Ausführung der gesamten Konstruktion ist
über jeden Zweifel erhaben, sämtliche Oberflächen schmeicheln
der forschenden Hand.
Nachdem das Regal an der Wand hing, fing die eigentliche Arbeit an: Zum
Hörtest mussten ein Transrotor Apollon und verschiedene CD-Player
zwischen ihm und der obersten Ebene eines soliden Creaktiv Big Reference
Racks hin- und hergehoben werden - ein »Vergnügen«, an
das ich nicht gedacht hatte, als ich diesen Test zusagte. Nun denn, solange
es der Wahrheitsfindung dient ...
Den Anfang machte der MBL 1531. Die Unterschiede zwischen den beiden Unterlagen
waren leicht feststellbar. Auf dem Finite Elemente kamen die Obertöne
von Instrumenten und Stimmen etwas freier, breiteten sich natürlicher
im Raum aus. Die räumliche Aufteilung wurde minimal schärfer
fokussiert, etwas schmaler, dafür deutlich tiefer. Der Bass wirkt
zunächst ein wenig schlank, dieser erste Eindruck trügt aber.
Man merkt schnell, dass die tiefen Frequenzen aufgeräumter übertragen
werden, sich weniger überlagern, schlicht »richtiger«
klingen. Hat man sich an dieses Bild gewöhnt, beginnt die Entdeckung
»neuer« Details bei den tiefsten Frequenzen, die nun feiner
gezeichnet werden, gleichzeitig an Kontur und Biss gewinnen und zudem
subjektiv tiefer gehen. Kontrabassgruppen werden räumlich und tonal
sauberer aufgeschlüsselt, ohne ihren Zusammenhang zu verlieren. Sehr
schön hört man das in den ersten Takten von Bruckners fünfter
Symphonie (Günter Wand, Berliner Philharmoniker, RCA). Die Pizzicati
offenbaren ihre ganze Vielschichtigkeit, haben dabei eine äußerst
stabile Platzierung und schwingen auf dem Pagode Wall ungewohnt lange
aus. An dieser Art der Resonanzableitung scheint eine Menge dran zu sein.
Da der MBL ein sehr schwerer Player ist, musste noch der fliegengewichtige
Unidisk 1.1 von Linn antreten. Er profitierte in noch größerem
Maße von der Wandhalterung. Bei ihm kam neben den schon beschriebenen
Verbesserungen eine »Harmonisierung« des gesamten Frequenzbereiches
dazu. Spielte der Unidisk sonst schlank und geradeaus bis hin zur leichten
Kühle, wurden nun sämtliche Farben um einen Hauch wärmer
- gerade genug, um die Darbietung vollends zu entspannen, ohne indes Abstriche
in Detailreichtum und Durchzeichnung zu machen.
Die größten Gewinne waren allerdings bei Transrotors Apollon
zu verzeichnen. Er spielte in einer bislang noch nicht gehörten Form
- und das, obwohl er vorher auf einer luftgefederten Vibraplane residiert
hatte. Der Raum öffnete sich beträchtlich, sämtliche Ereignisse
waren nun noch deutlicher zu lokalisieren, ohne jedoch dabei dröge
wie auf Millimeterpapier gezeichnet zu wirken. Nein, der Raum wurde einfach
weiter, entspannter und glaubhafter. Auch beim Apollon (mit SME V und
Ortofon Vienna) nahm die Konturenschärfe in den tiefen Frequenzen
zu, Kontrabässe und große Trommeln verrieten noch mehr von
ihren Klangfarben und dem Ausschwingen ihrer Saiten oder Felle. Und genau
dieser Umstand lenkte auf eine weitere Verbesserung: die Zunahme an kleinsten
Informationen, der bewegten Luft im Aufnahmeraum, feinste Atem- oder Streichgeräusche
- all jene kleinen Dinge eben, die das Gefühl des Dabeiseins, der
wirklich entstehenden Musik schaffen. So wuchs der Abstand zwischen den
einzelnen Instrumenten auf Soltis Aufnahme der »Frau ohne Schatten«
von Richard Strauss (Decca), das Orchester dehnte sich weit mehr in der
Tiefe des Raumes aus. Selbst bei starken Impulsen von Bässen oder
großer Trommel regte sich im Raum nichts - oft ein Manko bei resonierenden
Unterlagen.
Viel Geld für ein Regal? Relativ wenig Geld für ein Regal, das
einem Plattenspieler mehr Leistung entlockt als eine Luftlagerung. Etwas
Besseres als ein Finite Elemente Pagode Master Reference Wall kann man
einem guten Laufwerk kaum antun. Und auch CD-Player profitieren deutlich
- was die fällige Empfehlung abrundet. |


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