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HIFIPLUS 11.2003:

Finite Elemente Pagode HDO3 Master Reference Rack

Von Roy Gregory

Ein vernünftiges Hifi-Rack muß gut klingen. Es muß auch gut aussehen, verstellbar sein und ausreichend Platz haben, um eine Vielzahl von Audiokomponenten unterzubringen. Und es muß gut klingen. Es muß in die häusliche Umgebung hineinpassen, eine Verarbeitung in Möbelqualität aufweisen, und mit unterschiedlichen Oberflächen lieferbar sein. Und es muß gut klingen, oder eher, im Idealfall, gar nicht klingen. Und da haben wir schon das Problem. In zu vielen Fällen sind Lösungsversuche, die klanglich durchaus akzeptabel sind, weit davon entfernt, wohnraumkompatibel zu sein. Ganz ehrlich: man benötigt mehr als bloß einen Hauch Farblack, um ein paar Stahlrohre und Glasscheiben in eine ästhetische Schönheit zu verwandeln. Und, es funktioniert überhaupt nur unter der Voraussetzung, daß die Lösung akustisch akzeptabel ist. Zum Glück nimmt man nicht länger an, daß allein Steifheit und Spikes das akustische Glück bedeuten. Heutzutage werden Spikes auch schon mal mit Argwohn betrachtet, natürlich abhängig von ihrer Verwendung.

Daß den Hörern die Wichtigkeit von HiFi-Racks immer bewußter wird, daß sie anfangen, steinalte Weisheiten in Frage zu stellen, und daß sie bereit sind, für guten Klang tiefer in die Tasche zu greifen, hat zur Folge, daß die Entwicklung von Racksystemen auf dem Markt dramatisch zugenommen hat. Neue Werkstoffe, neue Technologien und neue Ansätze. Während früher nur Stahl und MDF benutzt wurden, und Glas das nonplusultra an Raffinesse darstellte, gibt es heutzutage Aluminium in jeder erdenklichen stranggepressten Form, modulare Bauweisen, mehrschichtige Dämpfungskonzepte, Verbundmaterialien und sogar Luftdämpfung. Aber der wesentliche Fortschritt besteht in der Einführung von resonanzfreien Konstruktionen und Werkstoffen in Verbindung mit geschweißten Metallrahmen und, wenn auch in geringerem Maße, der Tatsache, daß Glasböden jetzt glücklicherweise der Vergangenheit angehören.

Neulich habe ich die Gelegenheit gehabt, zwei unterschiedliche Racks unter die Lupe zu nehmen, nämlich das Reference von Quadraspire und das Pagode Signature von finite elemente. Beide benutzen Holzmaterialien für die Böden kombiniert mit Seitenprofilen aus Aluminium. Beide bieten verstellbare Bodenabstände und klingen jedes auf seine Weise exzellent, ein klarer Beweis für den erreichten Fortschritt. Da ich das Pagode-Rack mit großem Genuss gehört habe, war ich sehr gespannt, was sein großer und noch raffinierterer Bruder, das HD (High Definition) Master Reference taugen würde.

Natürlich gibt es hier Überschneidungen, denn sowohl das Master Reference als auch das Signature haben gemeinsame konstruktive Merkmale. Beide benutzen als Grundlage einen Rahmen aus massivem kanadischen Ahornholz als Trägerwerk für die Seitenprofile aus stranggepresstem Aluminium, die oben durch weitere Traversen aus massivem Ahornholz verbunden werden. Beide erfüllen in punkto Konstruktion und Verarbeitung Qualitätsstandards, die man normalerweise nur von sehr teuren Möbeln kennt und die in der HiFi-Industrie weitestgehend unbekannt sind. Während das Signature-Rack ein einzelnes Paar Seitenprofile benutzt, hat das Master Reference zwei Paare, so daß auch tiefere Böden eingesetzt werden können. Diese Böden oder Ebenen werden mittels horizontal verdrehbarer Spikes fixiert, die in kleine Vertiefungen in den Seitenprofilen greifen und über Verspannung festgemacht werden. Dieser Konstruktionsansatz ist einmalig and erlaubt eine relativ einfache Verstellung der Fachhöhen. Die überraschend schweren, massiven Böden werden auf Spikes gelagert, die in den Ahornverstrebungen des Rahmens ihren Platz finden. Die Spikes sitzen in kleinen Dämpfungsringen aus weichem Moosgummi, die die eingelegten Böden zentrieren und daran hindern, mit der Rahmenkonstruktion in Verbindung zu kommen.
Aber ein wirklich interessantes Detail bleibt zunächst verborgen. Wenn Sie das Bild einmal ganz genau ansehen, werden Sie feststellen, daß die Rahmenkonstruktion, auf der jede Ebene gelagert ist, zwei Paar Edelstahlzylinder in der Nähe der Aufnahmeteller für die Einlegebodenspikes besitzt. Eingeschraubt sind sie in Edelstahlbuchsen, die in den Innenverstrebungen des Rahmens eingepresst sind. In diesen Metallzylindern sind wiederum, von außen unsichtbar, Rundstäbe eingeschraubt. Diese Stäbe fungieren als Resonatoren, und wandeln Schwingungsenergie bei gewissen Frequenzen gezielt in Wärme um, indem sie eben bei diesen Frequenzen statt des Racks anfangen zu schwingen. Die jeweilige Resonanzfrequenz ändert sich mit Länge der Stäbe. Am ehesten kann man die kleinen Konstruktionen aus Gewichten und Blattfedern damit vergleichen, die Naim benutzt, um das Schwingungsverhalten seiner Lautsprechergehäuse zu kontrollieren. Wie die Abbildung zeigt, liefert finite elemente die Resonatoren des getesteten Modells HD03 in nicht weniger als sechs unterschiedlichen Längen. Diese sind in unterschiedlichen Kombinationen im Rack verteilt, wobei jedes Rackmodell seine individuelle Abstimmung besitzt, abhängig von der Anzahl der Ebenen und deren jeweiliger Position. Der nachträgliche Einbau einer zusätzlichen Ebene hat zur Folge, dass diese nicht beliebig, sondern an einer bestimmten Position in das Rack einzufügen ist.

Die exakten Frequenzen für jedes pagode°-Modell wurden in Kooperation mit der Fachhochschule Dortmund messtechnisch ermittelt. Sie basieren auf einem durchschnittlichen Komponentengewicht und der Gesamtlast, aber auch auf der Konstruktion der Ebenen selbst.
Die unterste Ebene ist genauso konstruiert wie die anderen, aber der Massivholzrahmen ist voluminöser ausgeführt. So finden die Verschraubungen für die Seitenprofile sowie die Metallbuchsen für die vier M8-Bodenspikes, die eine Nivellierung des Racks ermöglichen, hier bequem Platz. Identisch in der Konstruktion ist diese Ebene auch separat als Ampstand (Modelle HD09 und HD10) lieferbar. Die Abmessungen dieser Ebene sind so dimensioniert, daß fast alle Verstärkerkomponenten hier ohne weiteres, auch innerhalb der Rackkonstruktion, ausreichend Platz finden werden. Der enorme Gryphon Antileon konnte hier genauso problemlos untergebracht werden, wie meine oft problematische Jadis JA30s, diese allerdings nur seitlich. Die vorhandene Nutzfläche hat eine Tiefe von 465 mm und eine Breite von 515 mm, aber das absolut wichtige lichte Maß zwischen den Seitenprofilen, in vielen Fällen eine Limitierung, beträgt 640 mm. Falls das noch nicht ausreichend sein sollte, bietet finite elemente auch Versionen in zwei weiteren Breiten an. In diese Rackpalette sollten so ziemlich alle bekannten Komponenten hineinpassen, die mir einfallen. Die verstellbaren Fachhöhen ermöglichen sogar die Unterbringung von sperrigen Exemplaren, wie z.B. des hohen Theta Verstärkers oder eines Levinson No. 33Hs. Die Racks sind auch in schwarz (wer es mag!) mit einer speziellen Perlstrukturlackierung lieferbar – oder aber in diversen Holzbeiztönen. Erwarten Sie allerdings nicht, daß dies ein schnelles oder billiges Vergnügen sein wird.