Finite Elemente
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AUDIOPHILE 01.2001:

Brainwork

Finite Elemente Pagode 80 HD, um DM 5700
Die Optik ist top; den Klanggewinn soll beim Pagode-Rack von Finite Elemente letztendlich aber der wissenschaftliche Konstruktionsansatz garantieren. Was das Brainstorming der Rack Entwickler erfolgreich?


Von Michael Rassinger

Es war früh am Morgen. Tau lag auf den Blättern am Ufer des träge strömenden Flusses. Das leichte und schlanke Boot aus dunklem Holz bewegte sich langsam, aber zielstrebig in dem trüben Wasser. Mit weit ausholenden Paddelschlägen wurde es voran getrieben; die exotisch anmutende Landschaft zog im Nebel vorbei. Die schemenhaften Umrisse einer Pagode wurden sichtbar...
... als der Autor sich geistig doch wieder im Hörraum befand und anschickte, CD-Player und Verstärker aus dem vorhergehendem Test auf das Pagode-Rack der Firma Finite Elemente zu wuchten. Man möge mir den träumerischen Ausflug nach Asien, der sich während einer Zugfahrt im Laptop niederschlug, nachsehen - Anblick und Name des Racks weckten bei mir solche und ähnliche Assoziationen. Nicht zu unrecht, denn Pagode ist im übertragenen Sinn ein Tempel für HiFi-Geräte. Räucherstäbchen kommen dennoch nicht zum Einsatz; vielmehr stützte man sich bei der Konstruktion des aufwendigsten Modells der Pagode-Serie auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse.
In Kooperation mit Prof. Dr. Borchert von der Fachhochschule Dortmund (Fachgebiet Mechanik) entwickelte Finite Elemente ein Klangoptimierungsverfahren, bei dem unerwünschte Resonanzen durch den Einsatz von Resonatoren ausgelöscht werden sollen. Dieses Verfahren, das bereits zum Patent angemeldet ist, ermittelt anhand mathematischer Formulierungen auf der Basis mechanischer Entergieprinzipien die Geometrie des Resonators. Störende Schwingungsenergien werden von den leicht anregbaren und klangneutralen Resonatorstäben dissipiert, d. h. in Wärme umgewandelt. Es sollen also nicht mehr die Rack-Böden, sondern die in den Verstrebungen des Spannrahmens angebrachten Resonatoren schwingen, von denen jeder für die Dissipation eines definierten Frequenzbandes zuständig ist.
Als Bestandteile für das Rack kommen die drei Werkstoffe Ahorn massiv, Edelstahl und Aluminium zum Einsatz. Bei den Einlegeböden handelt es sich um Absorber-Platten mit einem durchdachten Aufbau: In einer Sandwich-Konstruktion sind zwei acht Millimeter dicke Lagen mitteldichte Faserplatte (MDF) über eine dünne Zwischenschicht aus silikoser Masse schwimmend aufeinandergelegt. Es besteht daher keine feste Verbindung zwischen diesen beiden MDF-Lagen. Aufgrund der hoch dämpfenden Zwischenschicht ergibt sich somit ein resonanzberuhigtes Material als Base für die Komponenten der Anlage.
Finite Elemente dürfte damit wohl einer der wenigen Rack-Hersteller sein, der konsequent wissenschaftliche Erkenntnisse in die Konstruktion von HiFi-Möbeln einbezieht. Jetzt wird auch die Leichtbauweise des Racks verständlich: Die Bekämpfung von Resonanzen erfordert bei Pagode keine Bleikugeln oder Quarzsand.
Nun gut, soweit die Theorie. Wie sieht es aber in der Praxis aus? Kann das Pagode-Rack halten, was es verspricht? Nachdem Luis Fernandes von Finite Elemente das Rack persönlich einjustiert hatte, machten wir einen ersten Quercheck: Ein Marantz CD-6000 OSE nahm auf der obersten Etage Platz und wurde an das Referenzequipment (Vor-/Endverstärker Mark Levinson No. 32/33H mit Boxen Dynaudio Evidence) angeschlossen. Die Veränderungen zur Standard-Geräteplattform waren positiver Natur und gut zu hören. Würden Sie aber einen Mercedes testen, wenn Jürgen Schrempp auf dem Beifahrersitz sitzt? Wohl eher nicht. Sie wären voreingenommen und würden Kritik wahrscheinlich sehr vorsichtig formulieren. Deshalb ließ ich mir das Pagode-Konzept erklären und vertagte das Hören, um genügend Zeit für den Test zu haben.
Analog zum Audio-Reference-Rack von Creaktiv verwendete ich als Geräte den CD-Player Sony CDP-XA 50 ES und den Vollverstärker Marantz PM-17 MKII. Auf dem Pagode-Rack passierte dann Folgendes: Der Raum wurde größer und fassbarer. Ganz eindeutig ein Zugewinn, denn die nun viel homogenere und genauere Abbildung versetzte den Hörer unmittelbar ins Geschehen. Im Instrumentalstück "Bergerette sans roch" von Tilman Susato spielten Schalmeien, Pommer, Krummhorn und Schlagwerk zusammen. Die klangliche Verbesserung war auch hier enorm. Spritzigkeit und Vitalität dieses, salopp ausgedrückt, Renaissance-Techno faszinierten ebenso wie die nun tief hinabreichende Trommel. Der natürlichere Ausklingvorgang aller musikalischen Ereignisse, der einen Grßteil der Rauminformation vermittelt, ist meiner Ansicht nach verantwortlich für die bemerkenswerte Nähe und Realität. Hatte mich das Hören dieser CD mit alter Musik bereits in den Bann gezogen, wollte ich es nun genauer wissen. Was würde sich bei einer Orgelaufnahme tun, die in einem akustisch trockenen Raum aufgezeichnet wurde? Welche klanglichen Höhen würde Pagode erklimmen? Wiederum standen CD-Player und Verstärker auf dem Pagode-Rack und legten mit dem "Danse infernale" (aus L'Oiseau de feu) los. Die absolute Präzision der Wiedergabe fiel sofort auf. Tiefe Töne, die sonst verwaschen klingen und zum Dröhnen neigen, besßen jetzt Struktur. Man spürte, wie sich die Grundstimmen des Pedals in 32- und 16-Fß-Lage einschwangen, welche Luftmassen dabei bewegt wurden. Pizzicato spielende Kontrabässe und Celli imitierte die Orgel zum Verwechseln gut. Grße dynamische Ausbrüche mit den horizontalen Hochdruck-Trompeten bliesen mich fast weg, denn der Sound dieser Register presst den Hörer geradezu in seinen Sessel. Dabei war die für Orgelmusik eher ungünstige Saalakustik im Klang des Instrumentes eingebunden. Man konnte sich ein Bild vom Aufnahmeort machen, denn dieser klappte wie ein Panorama vor dem Hörer auf.
Nikolai Rimsky-Korsakovs symphonische Suite "Scheherazade" (DG) kam als krönender Abschluss in die CD-Schublade. Im Finalsatz konnte das HiFi-Möbel von Finite Elemente noch einmal alle Facetten seines Könnens aufzeigen. Die breite Abbildung der Berliner Philharmoniker unter Karajan erlaubte exakte Aussagen über die Verteilung der Instrumentengruppen. Der Dynamikbereich hatte sich erheblich vergrößert, Geräusche im Orchester wie Umblättern und Stuhlknarren wurden in Generalpausen hörbar. Wieder schwangen die Instrumente natürlicher aus, was die Charakteristik noch eindringlicher machte. Tiefe Streicher und Bläser spielten sauber und mit Drive, Pizzicato-Stellen wirkten echt und angerissen. Auch Hochfrequenzlieferanten wie die kleine Trommel gewannen an Transparenz und Verve. Die tonale Substanz blieb bei hohen Pegeln genau dieselbe - nichts begann zu nerven, was ein Beweis für die Unempfindlichkeit des Racks gegenüber grßen Lautstärken ist.
Fazit: Jeder HiFi-Baustein kann auf dem Pagode-Rack von Finite Elemente unglaublich an Klang zulegen. Wer jetzt noch seine teure Anlage im Wohnzimmerregal stapeln will, sollte sich fragen: Würde ich im Sommer einen Porsche mit Reifen fahren, die nur bis 160 km/h zugelassen sind?

Beim Pagode-Rack drängt sich die Frage auf, wieviele Musik-Details man als Hörer bisher verpasst haben mag.




Designobjekt: Trotz des hohen konstruktiven und
wissenschaftlichen Aufwandes wurde dem Rack
eine ausgesprochen ansprechende und neutrale
Optik zuteil. Das Pagode-Rack lässt sich so in den
unterschiedlichsten Wohnräumen integrieren.




Passgenau: Bei der Auflage der Absorberplatte
kommt diese über vier Edelstahlfüße mit den
Resonator-Rohren in Berührung.




Der Rahmen jeder Gerätestellfläche ist über
insgesamt acht Spikes horizontal mit den
Aluminium-Profilen verspannt.



  • Listenpreis: 5700 DM
  • Garantiezeit: 2 Jahre
  • Maße: BxHxT (cm):
    71 x 85 x 55
  • Gewicht: 46 kg
  • Ausfühung: Ahorn natur,
    Ahorn anthrazit. Alu-
    Seitenprofile silbergrau
    eloxiert oder hochglanzpoliert
    (gegen Aufpreis)
  • Verarbeitung: Hervorragend
  • Belastbarkeit pro Ebene:
    70 kg
  • Aufstellungstipp: Spikes (für
    Parkett/Laminat sind Boden-
    Spike-Teller erhältlich).
  • Besonderheiten: Variable
    Fachhöhen.