Es war früh
am Morgen. Tau lag auf den Blättern am Ufer des träge strömenden
Flusses. Das leichte und schlanke Boot aus dunklem Holz bewegte sich langsam,
aber zielstrebig in dem trüben Wasser. Mit weit ausholenden Paddelschlägen
wurde es voran getrieben; die exotisch anmutende Landschaft zog im Nebel
vorbei. Die schemenhaften Umrisse einer Pagode wurden sichtbar...
... als der Autor sich geistig doch wieder im Hörraum befand und
anschickte, CD-Player und Verstärker aus dem vorhergehendem Test
auf das Pagode-Rack der Firma Finite Elemente zu wuchten. Man möge
mir den träumerischen Ausflug nach Asien, der sich während einer
Zugfahrt im Laptop niederschlug, nachsehen - Anblick und Name des Racks
weckten bei mir solche und ähnliche Assoziationen. Nicht zu unrecht,
denn Pagode ist im übertragenen Sinn ein Tempel für HiFi-Geräte.
Räucherstäbchen kommen dennoch nicht zum Einsatz; vielmehr stützte
man sich bei der Konstruktion des aufwendigsten Modells der Pagode-Serie
auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse.
In Kooperation mit Prof. Dr. Borchert von der Fachhochschule Dortmund
(Fachgebiet Mechanik) entwickelte Finite Elemente ein Klangoptimierungsverfahren,
bei dem unerwünschte Resonanzen durch den Einsatz von Resonatoren
ausgelöscht werden sollen. Dieses Verfahren, das bereits zum Patent
angemeldet ist, ermittelt anhand mathematischer Formulierungen auf der
Basis mechanischer Entergieprinzipien die Geometrie des Resonators. Störende
Schwingungsenergien werden von den leicht anregbaren und klangneutralen
Resonatorstäben dissipiert, d. h. in Wärme umgewandelt. Es sollen
also nicht mehr die Rack-Böden, sondern die in den Verstrebungen
des Spannrahmens angebrachten Resonatoren schwingen, von denen jeder für
die Dissipation eines definierten Frequenzbandes zuständig ist.
Als Bestandteile für das Rack kommen die drei Werkstoffe Ahorn massiv,
Edelstahl und Aluminium zum Einsatz. Bei den Einlegeböden handelt
es sich um Absorber-Platten mit einem durchdachten Aufbau: In einer Sandwich-Konstruktion
sind zwei acht Millimeter dicke Lagen mitteldichte Faserplatte (MDF) über
eine dünne Zwischenschicht aus silikoser Masse schwimmend aufeinandergelegt.
Es besteht daher keine feste Verbindung zwischen diesen beiden MDF-Lagen.
Aufgrund der hoch dämpfenden Zwischenschicht ergibt sich somit ein
resonanzberuhigtes Material als Base für die Komponenten der Anlage.
Finite Elemente dürfte damit wohl einer der wenigen Rack-Hersteller
sein, der konsequent wissenschaftliche Erkenntnisse in die Konstruktion
von HiFi-Möbeln einbezieht. Jetzt wird auch die Leichtbauweise des
Racks verständlich: Die Bekämpfung von Resonanzen erfordert
bei Pagode keine Bleikugeln oder Quarzsand.
Nun gut, soweit die Theorie. Wie sieht es aber in der Praxis aus? Kann
das Pagode-Rack halten, was es verspricht? Nachdem Luis Fernandes von
Finite Elemente das Rack persönlich einjustiert hatte, machten wir
einen ersten Quercheck: Ein Marantz CD-6000 OSE nahm auf der obersten
Etage Platz und wurde an das Referenzequipment (Vor-/Endverstärker
Mark Levinson No. 32/33H mit Boxen Dynaudio Evidence) angeschlossen. Die
Veränderungen zur Standard-Geräteplattform waren positiver Natur
und gut zu hören. Würden Sie aber einen Mercedes testen, wenn
Jürgen Schrempp auf dem Beifahrersitz sitzt? Wohl eher nicht. Sie
wären voreingenommen und würden Kritik wahrscheinlich sehr vorsichtig
formulieren. Deshalb ließ ich mir das Pagode-Konzept erklären
und vertagte das Hören, um genügend Zeit für den Test zu
haben.
Analog zum Audio-Reference-Rack von Creaktiv verwendete ich als Geräte
den CD-Player Sony CDP-XA 50 ES und den Vollverstärker Marantz PM-17
MKII. Auf dem Pagode-Rack passierte dann Folgendes: Der Raum wurde größer
und fassbarer. Ganz eindeutig ein Zugewinn, denn die nun viel homogenere
und genauere Abbildung versetzte den Hörer unmittelbar ins Geschehen.
Im Instrumentalstück "Bergerette sans roch" von Tilman
Susato spielten Schalmeien, Pommer, Krummhorn und Schlagwerk zusammen.
Die klangliche Verbesserung war auch hier enorm. Spritzigkeit und Vitalität
dieses, salopp ausgedrückt, Renaissance-Techno faszinierten ebenso
wie die nun tief hinabreichende Trommel. Der natürlichere Ausklingvorgang
aller musikalischen Ereignisse, der einen Grßteil der Rauminformation
vermittelt, ist meiner Ansicht nach verantwortlich für die bemerkenswerte
Nähe und Realität. Hatte mich das Hören dieser CD mit alter
Musik bereits in den Bann gezogen, wollte ich es nun genauer wissen. Was
würde sich bei einer Orgelaufnahme tun, die in einem akustisch trockenen
Raum aufgezeichnet wurde? Welche klanglichen Höhen würde Pagode
erklimmen? Wiederum standen CD-Player und Verstärker auf dem Pagode-Rack
und legten mit dem "Danse infernale" (aus L'Oiseau de feu) los.
Die absolute Präzision der Wiedergabe fiel sofort auf. Tiefe Töne,
die sonst verwaschen klingen und zum Dröhnen neigen, besßen
jetzt Struktur. Man spürte, wie sich die Grundstimmen des Pedals
in 32- und 16-Fß-Lage einschwangen, welche Luftmassen dabei bewegt
wurden. Pizzicato spielende Kontrabässe und Celli imitierte die Orgel
zum Verwechseln gut. Grße dynamische Ausbrüche mit den horizontalen
Hochdruck-Trompeten bliesen mich fast weg, denn der Sound dieser Register
presst den Hörer geradezu in seinen Sessel. Dabei war die für
Orgelmusik eher ungünstige Saalakustik im Klang des Instrumentes
eingebunden. Man konnte sich ein Bild vom Aufnahmeort machen, denn dieser
klappte wie ein Panorama vor dem Hörer auf.
Nikolai Rimsky-Korsakovs symphonische Suite "Scheherazade" (DG)
kam als krönender Abschluss in die CD-Schublade. Im Finalsatz konnte
das HiFi-Möbel von Finite Elemente noch einmal alle Facetten seines
Könnens aufzeigen. Die breite Abbildung der Berliner Philharmoniker
unter Karajan erlaubte exakte Aussagen über die Verteilung der Instrumentengruppen.
Der Dynamikbereich hatte sich erheblich vergrößert, Geräusche
im Orchester wie Umblättern und Stuhlknarren wurden in Generalpausen
hörbar. Wieder schwangen die Instrumente natürlicher aus, was
die Charakteristik noch eindringlicher machte. Tiefe Streicher und Bläser
spielten sauber und mit Drive, Pizzicato-Stellen wirkten echt und angerissen.
Auch Hochfrequenzlieferanten wie die kleine Trommel gewannen an Transparenz
und Verve. Die tonale Substanz blieb bei hohen Pegeln genau dieselbe -
nichts begann zu nerven, was ein Beweis für die Unempfindlichkeit
des Racks gegenüber grßen Lautstärken ist.
Fazit: Jeder HiFi-Baustein kann auf dem Pagode-Rack von Finite Elemente
unglaublich an Klang zulegen. Wer jetzt noch seine teure Anlage im Wohnzimmerregal
stapeln will, sollte sich fragen: Würde ich im Sommer einen Porsche
mit Reifen fahren, die nur bis 160 km/h zugelassen sind?
Beim Pagode-Rack drängt sich die Frage auf, wieviele Musik-Details man als Hörer bisher verpasst haben mag. |


Designobjekt: Trotz des hohen konstruktiven
und
wissenschaftlichen Aufwandes wurde dem Rack
eine ausgesprochen ansprechende und neutrale
Optik zuteil. Das Pagode-Rack lässt sich so in den
unterschiedlichsten Wohnräumen integrieren.

Passgenau: Bei der Auflage der Absorberplatte
kommt diese über vier Edelstahlfüße mit den
Resonator-Rohren in Berührung.

Der Rahmen jeder Gerätestellfläche ist über
insgesamt acht Spikes horizontal mit den
Aluminium-Profilen verspannt.
- Listenpreis: 5700 DM
- Garantiezeit: 2 Jahre
- Maße: BxHxT (cm):
71 x 85 x 55
- Gewicht: 46 kg
- Ausfühung: Ahorn natur,
Ahorn anthrazit. Alu-
Seitenprofile silbergrau
eloxiert oder hochglanzpoliert
(gegen Aufpreis)
- Verarbeitung: Hervorragend
- Belastbarkeit pro Ebene:
70 kg
- Aufstellungstipp: Spikes (für
Parkett/Laminat sind Boden-
Spike-Teller erhältlich).
- Besonderheiten: Variable
Fachhöhen.
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